Unser aquaristisches Wels-Wochenende
Text & Fotos (falls nicht anders vermerkt): THOMAS BAUMEISTER
Los ging unsere kleine Reise am 21. November letzten Jahres, als Daniel Konn-Vetterlein
im Rahmen einer Kooperation zwischen der IG BSSW und dem Verein Amazonas 73 in Duisburg einen sehr interessanten Vortrag über den Nationalpark „Madidi“ in Bolivien hielt. Seine Fotos und Erzählungen machten Lust auf mehr und zum Glück sollte es danach noch nicht zu Ende sein, unser aquaristisches Wochenende.
Direkt im Anschluss fuhren Daniel, Markus Kaluza und meine Wenigkeit zu „Hobbyzoo Tillmann“, um dort mit dessen Betreiber Thomas Tillmann sowie einigen weiteren Freunden bei Speis und Trank, umgeben von Tausenden Fischen den Abend ausklingen zu lassen. Am nächsten Morgen brachen wir um 10 Uhr zu Viktor Teroerde nach Ochtrup auf. Viktor hatte uns eingeladen, seine Zuchtanlage zu besichtigen, der in den letzten Jahren einige Erstnachzuchten entsprungen waren. Viktor, der selbstständig im Bereich Gasversorgungsanlagen arbeitet, hat trotz seiner 62 Jahre erst vor acht Jahren mit der Haltung von Panzer- und Harnischwelsen begonnen.

Viktors Anlage ist übersichtlich und klar aufgebaut, alle Arbeitsschritte sind bei der Konstruktion bedacht worden.
Mehr Platz muss her
Seine zahlreichen Aquarien passten dann aber schnell nicht mehr in den Wohnraum, also wurde kurzerhand umgeplant: In einem auf Aquaristik abgestimmten Anbau befinden sich nun 31 Aquarien mit 48 bis 144 Liter Fassungsvermögen. Im Wohnzimmer hat er nur sein Schauaquarium (1.000 l) behalten, das einer stattlichen Gruppe von 13 Blauaugen-Harnischwelsen (Panaque cochliodon) Platz bietet und uns die erste halbe Stunde komplett in seinen Bann zog.
Aber auch der Besatz in den kleineren Aquarien kann sich sehen lassen. Stolze 18 Panzerwels- und zehn Harnischwelsarten pflegt Viktor zurzeit, und keine davon ist „handelsüblich“, so zum Beispiel: Brochis pantanalensis, Hoplisoma thanatos, H. sp. CW162, Corydoras oxyrhynchus, C. rikbaktsa und natürlich C. areio, eine Art, die von Viktor zum ersten Mal überhaupt vermehrt wurde.

Die Männchen von B. pantanalensis trumpfen mit einem beeindruckenden Netzmuster auf. (Foto: Daniel Konn-Vetterlein)

Weibchen von B. pantanalensis sind relativ schlicht gezeichnet. (Foto: Daniel Konn-Vetterlein)
Die Becken sind sparsam mit einigen Wurzeln und Schieferplatten dekoriert, die in erster Linie mit Anubias spp. bepflanzt sind. Auffällig ist aber, dass er eine Vielzahl unterschiedlicher Höhlen für die L-Welse nutzt, und so auf die jeweils artspezifischen Ansprüche eingeht. Während Hypancistrus zebra (L 46) und Peckoltia compta (L 134) die einseitig offenen Standardröhren aus Ton nutzen, sitzen seine Ancistrus ranunculus (L 34) in speziell angefertigten Imitaten von Felsnischen, wie sie auch in der Natur bevorzugt aufgesucht werden. Dieses Vorgehen ist ratsam, denn von A. ranunculus gibt es bisher nur wenige erfolgreiche Zuchtberichte, und wenn, dann wurden die Eier in eben solchen flachen Höhlen abgelegt, nie in Röhren. Auch beim Futter überlässt Viktor nichts dem Zufall. Seine Welse versorgt er mit Grindal, Tubifex, Bananen- und Mikrowürmchen, insektenbasierten Granulaten und verschiedenem Frostfutter.

Sein Schaubecken mit den Blauaugenharnischwelsen konnte im Wohnraum verbleiben.
So kann er auf alle Arten einzeln eingehen und auch Nachzuchten immer direkt angemessen füttern. Für seine Futtertierzucht hat er mittig im Raum extra einen kleinen Wagen bereitgestellt, auf dem sich alle Behälter befinden, übersichtlich und schnell griffbereit sind.

Ein Speisewagen der besonderen Art. Zahlreiche Futterkulturen pflegt Viktor zusätzlich.
Seine Anlage betreibt Viktor mittels einer Ringleitung für Druckluft und teilautomatischen
Wasserwechseln, der Arbeitsaufwand lässt sich so reduzieren und eine ständig gute Wasserqualität garantieren. Alle Becken werden einzeln über Hamburger Mattenfilter (HMF) gefiltert, sodass sich verschiedene Wasserwerte einstellen lassen. Sein Wasser bereitet er mit einer Ultrafiltrationsanlage (2.000 l/Tag) sowie einer Osmoseanlage auf. Als Beleuchtung kommen LED-Leuchten zum Einsatz, die ausreichend Licht zum Arbeiten bieten und gleichzeitig den Ansprüchen seiner Welse entgegenkommen.

Spezielle Höhlen für spezielle Welse: Flach und eng bevorzugt L 34 seine Verstecke.

Hingegen sind für L 46 ovale Röhren besser geeignet.
Von der Höhle über die Wasserparameter und das Futter: Jede Art bekommt von Viktor genau das, was sie benötigt, und seine vollen Aufzuchtbecken zeigen, dass sich der Aufwand lohnt. Ich bedanke mich herzlich bei Viktor für seine Gastfreundschaft und den Einblick in seine Fischwelt. Auch möchte ich mich bei Daniel und Markus bedanken, es hat wieder richtig Spaß gemacht und ich freue mich auf die Fortsetzung.
