Ein Gräber aus Amerika

Ein Gräber aus Amerika

Beschreibung Titelbild: Creaserinus fodiens in Louisiana, USA (Fundort: 30°33ʹ28ʺN 90°48ʹ54ʺW).

Creaserinus fodiens kann im Aquarium gehalten werden

Text: ULLI BAUER
Fotos: CHRIS LUKHAUP


Die Gattung Creaserinus galt früher als Untergattung von Fallicambarus und wurde erst 2017 von Crandall und De Grave in den Gattungsstatus erhoben. Der wissenschaftliche Name verrät die Lebensweise: „fodiens“ bedeutet „wühlend“ oder „grabend“. Auffällig sind bei dem recht variabel gefärbten Krebs die in Anpassung daran außergewöhnlich kleinen Augen.


Lebensweise in der Natur

Den Gräberkrebs findet man in Süßwasser-Biotopen in Nordamerika entlang der Golfküste von Texas bis Ohio, im Süden der Great Lakes in Ontario und Michigan und entlang der Atlantikküste von Maryland bis Carolina. In der Natur verbringen die Krebse die Zeit von Januar bis Mai in Fließgewässern und den Rest des Jahres in selbstgegrabenen komplexen Tunnelsystemen, die bis zum Grundwasserspiegel reichen. Hier findet man sie in alters- und geschlechtergemischten Gruppen. Meist haben die Höhlen einen Ausgang zur Oberfläche und einen zweiten, der in einen nahen Bach oder Graben führt.

Adulte Krebse erreichen im Durchschnitt ohne Scheren gemessen eine Länge von 4,5 bis 6 cm, wobei vereinzelt mit bis zu 9 cm auch deutlich größere Exemplare gefunden werden.

Auch die kräftigen Scheren sind eine Anpassung an die grabende Lebensweise.

 

Aquarienhaltung

Spannenderweise kann man Creaserinus fodiens sehr unkompliziert im Aquarium halten und sogar vermehren. Eine Gruppe braucht viele Verstecke in Form von Höhlen, Wurzeln und Steinstrukturen. Die Deko sollte direkt auf die Glasscheibe gestellt werden, damit die Krebse sie nicht untergraben und zum Kippen bringen können. Pflanzen werden meist ausgebuddelt oder gefressen. In einem sehr gut strukturierten Aquarium ab 80 cm Kantenlänge können mehrere Exemplare gehalten werden.

Der Deckel des Aquariums darf keine Lücken aufweisen, weil die Krebse von Natur aus einen starken Wandertrieb haben und ansonsten das Becken verlassen können.

Beim Graben wirft der Gräberkrebs die typischen „Chimneys“ oder Krebskamine auf, die die Krebshöhle markieren.


Nachzucht

Gräberkrebse brauchen keine Kältephase vor der Paarung, die im Spätfrühling bis Frühsommer erfolgt. Die Weibchen setzen im darauff olgenden Herbst ihre Eier an. Pro Wurf treten ungefähr doppelt so viele Weibchen wie Männchen auf, eine Besonderheit dieser Krebsart.

Der Gräberkrebs ist eine farblich recht variable Art.

Idealerweise werden die Jungtiere des Gräberkrebses separat aufgezogen. Sie brauchen viele Verstecke – geeignet sind Lochziegel und eine dicke Schicht Herbstlaub – und eine stärker eiweißbetonte Diät als die adulten Exemplare. Zu Laub und Krebsfutter sollten Jungtiere zusätzlich ein- bis zweimal pro Woche eiweißreiches Frostfutter, Proteinfutter oder Ähnliches bekommen, damit sich der Kannibalismus im Aufzuchtbecken in Grenzen hält.

Männliche (oben) und weibliche (unten) Geschlechtsmerkmale der Cambariden–Männchen
haben V-förmige, nach vorne weisende Gonopoden zwischen dem letzten Schreitbeinpaar.



Info

Bitte niemals Aquarienkrebse im Freiland aussetzen! Creaserinus fodiens ist als nordamerikanischer Krebs ein möglicher Überträger der Krebspest, die für alle bei uns heimischen Krebse tödlich ist. Auch im Aquarium sollte er strikt von Krebsen anderer Kontinente getrennt werden, die ebenfalls anfällig für die tödliche Krankheit sind.

Basiswissen

Wissenschaftlicher Name: Creaserinus fodiens (Cottle, 1863)

Trivialname: Gräberkrebs, Digger Crayfish

Wassertemperatur: 10 bis 25 °C; eine Abkühlung im Winter ist förderlich, aber nicht zwingend notwendig

Wasserhärte: weiches bis hartes Wasser

Aquariengröße für eine Gruppe von 3-5 Tieren: mindestens 80 cm

Ernährung: Laub, Krebsfutter für omnivore Krebse, auch Frostfutter, Gemüse und Grünfutter

Der „Digger Crafish“ ist ein kompakter kleiner Vertreter der Maulwurfkrebse.


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Literatur: CRANDALL, KEITH A.; DE GRAVE, SAMMY (2017): „An updated classification of the freshwater crayfishes (Decapoda: Astacidea) of the world, with a complete species list“. Journal of Crustacean Biology. 37 (5): 615-653