Ein Überblick über etablierte OE-Linien in der Aquaristik

Ein Überblick über etablierte OE-Linien in der Aquaristik

Neocaridina-Garnelen mit Orange Eyes

Text und Fotos (falls nicht anders angegeben): DR. PHILIPP BAUMANN & MICHAEL HÄSLER


Die orangefarbenen Augen (engl. orange eyes; OE) der Neocaridina-Garnelen stellen für viele ambitionierte Züchter ein interessantes genetisches Merkmal dar und bieten die Möglichkeit, bei bekannten Farbschlägen einen tollen Kontrast einzukreuzen. Seit der ersten Beschreibung dieser mutmaßlichen Mutation haben sich mehrere Linien etabliert, die heute als weitgehend farbstabil gelten. Hier geben wir einen Überblick über diese Varianten und werfen einen Blick auf ambitionierte zukünftige Zuchtziele.


Red Demon

Die deckend rot gefärbte „Bloody Mary OE“ stellten wir im caridina-Magazin 2/22 als die erste Neocaridina-Zuchtform mit orangefarbenen Augen vor und berichteten über ihr Aussehen und die genetischen Grundlagen. Aufgrund der Ähnlichkeit zur Caridina sp. „Red Devil“ wurde diese damals viel diskuti erte Linie „Red Demon“ genannt.

(Foto: Chris Lukhaup)


Black Rose OE

Die schwarze Linie entstand etwa zur gleichen Zeit wie die rote Linie und wird bei vielen Züchtern durch Selektion farblich stabil gehalten. Gelegentlich überlagern bei adulten Weibchen rostfarbene Pigmentierungen die schwarze Farbe, nicht ungewöhnlich bei schwarzen Neocaridina. Eine wichtige Rolle hat diese Linie vor allem als Ausgangspunkt für das Einkreuzen in die Blue Dream und später auch in die Red Onyx inne.

 

Black Sapphire OE

Diese Linie entstand durch das Einkreuzen der schwarzen OE-Linie in die Blue Sapphire. Da der Rückenstrich nur sehr selten in dieser Linie auftauchte und die blaue Körperfarbe zu dunkel und somit noch nicht befriedigend war, wurde zunächst die Bezeichnung „Black Sapphire“ gewählt. Der Weg zu einer stabilen Linie mit kräftigem Rückenstrich auf einer deckend-dunkelblauen Körperfarbe ist derzeit ein ambitioniertes Zuchtziel für die Zukunft.


Blue Dream OE

Die Blue Dream OE wurde zeitlich etwas später gekreuzt. Obwohl die ersten blauen OE-Tiere bereits vor mehreren Jahren bei einigen Züchtern Einzug hielten, hat sich der Prozess, einen stabil reinen Blauton ohne schwarze Pigmentanteile zu etablieren, als langwierig und aufwendig herausgestellt. Zum Glück hat sich der hohe Selektionsaufwand aber ausgezahlt – heute sind gut selektierte Linien in ihrer Stabilität mit klassischen „Blue Dream“-Linien vergleichbar. Die orangefarbenen Augen kommen bei der blauen Körperfarbe besonders gut zum Vorschein.

(Foto: Chris Lukhaup)


Snowstorm OE

Das ambitionierte Ziel, eine Neocaridina palmata „Snowstorm OE“ zu züchten, wurde erstmalig von Daniel Carlsson (Laholm, Schweden) verwirklicht. Nachdem er die neue Variante der „White Pearl“ mit Rückenstrich erhalten hatt e, startete er einen Kreuzungsversuch mit nur zwei Tieren. In der ersten Generation fielen vitale wildfarbene Nachkommen, woraufh in buchstäblich die Suche nach der Nadel im Heuhaufen begann: Das OE-Merkmal musste mit den Merkmal „weiße Körperfarbe“ im selben Genom züchterisch vereinigt werden. Hierfür waren mehrere Becken und viel Geduld erforderlich, doch der Aufwand lohnte sich. Heute fokussiert sich Daniel auf einen besonders breiten Rückenstrich – die weiße Körperfarbe ist bereits stabil etabliert, und der Kontrast der orangen Augen überzeugt.

(Foto: Daniel Carlsson)


Green Demon

Green Jade OE, auch Green Demon genannt, sind aktuell noch sehr selten. Entstanden sind sie aus Verpaarungen von Black Sapphire OE mit Dark Green Jade. Eine Rückkreuzung mit Dark Green Jade festigte die grüne Körperfärbung. Davon unabhängig sind weitere grüne OE-Linien entstanden, welche beispielsweise einen attraktiven Rückenstrich tragen.

(Foto: Chris Lukhaup)

Hochmotiviert laufen aktuell einige weitere OE-Zuchtprojekte, wie beispielsweise die Kreuzung auf Red Rili, Carbon Rili und Green Rili mit orangen Augen. Hier gestaltet sich die Festigung der Rili-Musterung aber bislang äußerst schwierig. Bei der Green Rili OE wächst im Moment die zweite Generation heran; grob geschätzt besitzen aber nur 5-10 % eine Rili-Musterung. Wenn dieser Anteil Generation für Generation um ein paar Prozent erhöht werden kann, haben wir vielleicht irgendwann eine halbwegs stabile Linie.

 

Red Onyx OE

Diese Tiere stammen von den Black Rose OE ab und zeichnen sich durch ihre besonders intensiv rostrote Deckfärbung aus. Im Kreuzungsprozess wurden dafür zunächst Black Rose OE über mehrere Generationen auf rostrote Akzente in der Deckfärbung selektiert und anschließend mit Red Onyx verpaart, um die rostrote Deckfärbung zu verstärken und zu festigen. Inzwischen ist der Red Onyx OE-Stamm in Aussehen und Varianz (bis auf die OE) kaum noch von seiner schwarzäugigen Verwandtschaft zu unterscheiden.

Diese Rusty Rili OE belegte beim Garnelenchampionat TGISC 2025 in der Kategorie „Neocaridina Rili“ den ersten Platz. (Foto: Christian Splettstößer)


Orange Sakura OE

Diese Linie wurde eigentlich nie aktiv gezüchtet, sondern ist durch Zufall aus der Green Demon gefallen. Die orangen Augen erkennt man wirklich nur bei guten Lichtverhältnissen und genauem Hinschauen – farblich sind sie auch noch nicht so homogen wie andere besser selektierte „Orange Sakura“-Linien.

 

Blue Jelly OE

Diese Linie entstand aus Verpaarungen von Bloody Mary OE mit Blue Jelly. Dabei fielen zunächst auf OE spalterbige Red Rili, welche erneut mit Blue Jelly verpaart schließlich erste Blue Jelly OE hervorbrachten. Mittlerweile sind die bestehenden Linien gut selektiert, sodass rote Restpigmente, z. B. am Rostrum, so gut wie nicht mehr auft reten. Durch sorgfältige Selektion ließ sich die Körperfarbe der Stämme zunehmend auf das charakteristische Eisblau festigen, während gleichzeitig die Ernährung entscheidend zur Farbentwicklung beiträgt (siehe Titelthema „Stoffwechselmodule“ in Ausgabe 4/25).