Zwergdrachengrundeln graben sich gern ein

Zwergdrachengrundeln graben sich gern ein

Text & Fotos: MAREN GAULKE

Zwergdrachengrundeln (Gattung Schismatogobius, Familie Oxudercidae) sind auf den Inseln des westlichen Indopazifik verbreitet. Diese kleinen Süßwasser-Gobys bewohnen Flussabschnitte oberhalb des Gezeiteneinflusses. Seit 2017 hat sich die Zahl der bekannten Arten mehr als verdoppelt, von 10 auf derzeit 22 bis 23 (abhängig davon, ob die Validität der philippinischen S. roxasi anerkannt wird), als jüngster Neuzugang wurde 2021 Schismatogobius limmoni von Sulawesi beschrieben, aber weitere Artbeschreibungen werden mit Sicherheit folgen. 
Während die Gattungsbestimmung recht einfach ist – Schismatogobius spp. sind komplett unbeschuppt –, ist die sichere Artbestimmung lebender Tiere fast unmöglich, da sich alle Arten äußerlich stark ähneln, wobei die Variationsbreite innerhalb einer Art hoch ist. In der Färbung gleicht kein Individuum völlig dem anderen, auch das individuelle Farbwechselvermögen ist stark ausgeprägt.
Ein wichtiges artspezifisches Merkmal ist die Zeichnung der Kopfunterseite, die wir bei unseren Aquarienbewohnern allerdings nur selten sehen können. Ein weiteres Bestimmungskriterium ist die Zahl der Brustflossenstrahlen, anhand derer sich aber nur Artengruppen unterscheiden lassen, ansonsten ist man zur sicheren Bestimmung auf DNS-Untersuchungen angewiesen.

Unterscheidungskriterium

Die Färbung der Kopfunterseite ist ein wichtiges Unterscheidungskriterium bei Zwergdrachengrundeln.

 

Arten gleichen sich

Glücklicherweise ist die Artbestimmung keine Voraussetzung für die erfolgreiche Haltung, nach den bisherigen Kenntnissen gleichen sich die bekannten Arten sehr stark bezüglich Habitatanspruch und Lebensweise. Diese mit einer Standardlänge zwischen 16 und etwa 40 mm sehr klein bleibenden Fischchen leben bodennah. In der Natur findet man sie in sauberen Flüssen mit geringer bis stärkerer Strömung in Bereichen mit grobsandigem bis feinkiesigem Bodengrund.
Durch schlängelnde Körperbewegungen wühlen sie sich blitzschnell bei den kleinsten Störungen ein, sodass nur noch Kopf und Schwanz herausragen. Die Geschlechter lassen sich gut unterscheiden: Männchen haben einen deutlich größeren Kiefer als Weibchen, bei vielen Arten ist die Maulinnenseite der Männchen leuchtend gelb bis orange. Mit weit aufgerissenem Maul stellen sie diese auffällige Färbung bei Revierstreitigkeiten, aber auch gelegentlich bei Störungen am oder im Aquarium zur Schau.

 

Zwergdrachengrundeln von Panay

Eine gründliche Revision der philippinischen Zwergdrachengrundeln fehlt bislang. Mithilfe des Süßwassergrundel-Experten Philippe Keith wurden Schismatogobius, die ich im Norden der Insel Panay gefangen habe, als S. ampluvinculus, S. marmoratus, S. insignus und S. saurii bestimmt. Diese Arten wurden aus anderen Herkunftsgebieten auch schon nach Deutschland importiert.
Die Validität der 1936 von Panay beschriebenen Art S. roxasi wird generell angezweifelt, meist wird sie als Juniorsynonym der 1927 von der Nachbarinsel Negros beschriebenen Art S. insignus aufgefasst, die nun aber von Panay nachgewiesen ist. Das teils syntope Vorkommen von vier Arten innerhalb eines sehr kleinen Gebietes in Nord-Panay lässt vermuten, dass auf den Philippinen deutlich mehr Arten leben als bislang bekannt.
Ich habe dort Zwergdrachengrundeln ausschließlich im Unterlauf von klaren, allenfalls gering belasteten Flüssen gefangen, in flachem bis leicht hügeligem Gelände. Auch wenn sie in Flüssen mit zumindest zeitweise (Regenzeit) starker Strömung vorkommen, bewohnen sie strömungsarme, flache, sand- oder kiesbedeckte Abschnitte zwischen größeren Felsbrocken oder in Ufernähe.
Die Temperaturen in diesen Gewässerabschnitten schwanken im jahreszeitlichen Verlauf, aber auch in Folge stärkerer Niederschläge. Nach länger anhaltender Trockenheit nehmen Wasserstand und Strömungsgeschwindigkeit ab und die Temperaturen steigen, vice versa. Die zu verschiedenen Zeiten gemessenen Temperaturen liegen zwischen 24 und 29 °C, der pH-Wert liegt dort um die 8, also im deutlich basischen Bereich.

Typischer Lebensraum

Ein typischer Lebensraum von Schismatogobius spp.: der Fluss Alegre auf Nord-Panay.

 

Einbuddeln wichtig

Aufgrund ihrer Eigenschaft, sich im Bodengrund einzugraben, sind Schismatogobius spp. schwerer zu entdecken als die im selben Lebensraum vorkommenden Klettergrundeln (Sicyopterus, Sicyopus, Stiphodon) oder Schläfergrundeln (z.B. Belobranchus, Eleotris, Giuris). Sie leben in kleinen Gruppen, wobei ich im Alegre River, dem am besten von mir untersuchten Fluss, drei der vier Arten gefunden habe, und generell in Flüssen, wo sie vorkommen, zumindest zwei der Arten.
Für die Haltung sind zu beachten: ein Bodengrund, der den kleinen Grundeln das Einbuddeln ermöglicht, sowie wenig belastetes Wasser. Nach meinen eigenen Erfahrungen werden leichtere Temperaturschwankungen gut vertragen. Da Zwergdrachengrundeln wenig Bewegungsdrang besitzen, lassen sie sich auch in kleineren Aquarien gut hältern.
Über die Ernährung in der Natur ist wenig bekannt, zur Nahrung gehören kleine Insektenlarven. Die Fütterung mit kleinem Lebend- und Frostfutter ist jedoch unproblematisch.
Auch wenn es gar nicht selten zu Eiablagen im Aquarium kommt, ist die erfolgreiche Nachzucht bisher nicht gelungen. Vermutlich liegt das daran, dass die winzigen Larven ein marines Stadium durchlaufen müssen.

 

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