Als Aquarianer surfen lernten - Rückblick auf die Geschichte der Aquaristik im Internet aus aquaristik 02/2024

Als Aquarianer surfen lernten - Rückblick auf die Geschichte der Aquaristik im Internet aus aquaristik 02/2024

„Ich mach‘ mir das Web, wie es mir gefällt“ – interaktive Sehnsüchte im frühen Web

Das World Wide Web entstand um das Jahr 1990 herum und war zunächst ziemlich statisch, mit zahlreichen informativen Websites, aber nur wenigen Möglichkeiten zur sozialen Interaktion. Um das Jahr 2005 herum entfaltete sich dann das „soziale Web“, auch Web 2.0 genannt. Nutzer konnten nun verstärkt miteinander in den Austausch treten und sowohl fremde Inhalte konsumieren als auch selber eigene Dinge produzieren und weiterentwickeln.

Nicht nur die großen Social-Media-Plattformen wie Facebook haben das soziale Web möglich gemacht, sondern auch viele kleinere Portale, von denen sich einige auch gezielt an Aquarianer richteten. In meiner Kolumne in Heft 2/2023 habe ich ja bereits über die vernetzte Aquaristik vor Facebook und Co. geschrieben. Wie entwickelten sich aber solche Portale? Waren es vorausschauende Websitebetreiber, die einen besonders guten Riecher für die geheimen Wünsche ihrer Nutzer hatten, oder drängten die Nutzer selber auf immer mehr und bessere Funktionen?

Dies herauszufinden ist nicht einfach, aber manchmal hat man als Digital-Historiker bei der Suche im Archiv auch einfach viel Glück. Die Website „come to the rainbow“ – die erste deutsche Regenbogenfisch-Seite im Internet – wollte neben Informationen über Haltung, Fütterung und Zucht von Regenbogenfischen auch interaktive Angebote machen. Um die Wünsche der Besucher zu erfahren, wurde auf der Website eine Abstimmung durchgeführt.

Die Startseite von „follow the rainbow“ mit dem Ergebnis der Befragung, August 2001: https://web.archive.org/web/ 20010826020009/http://www.aenima.de/rainbow/index.php3?results=1

77 Stimmen wurden bis August 2001 abgegeben, und sie geben einen Hinweis darauf, welche interaktiven Möglichkeiten kurz vor dem Social-Media-Zeitalter ersehnt wurden. Mit 41,6 % lagen kostenlose Kleinanzeigen mit weitem Abstand auf Platz 1, gefolgt von einem Diskussionsforum mit 22,1 %. Es folgten Möglichkeiten, sich im Web zu orientieren („Link-Katalog“ mit 14,3 %, ein Webring gleichauf mit der „Vergabe von Web Awards“ mit 7,8 %). Am wenigsten interessierte die Befragten ein Gästebuch, lediglich 6,5 % stimmten dafür.

In der Deutlichkeit der Ergebnisse zeigt diese Befragung, dass Kleinanzeigen und ein Diskussionsforum damals die Sehnsüchte der Aquarianer trafen.