Ullis Szeneblick aus caridina 3/2022

Ullis Szeneblick aus caridina 3/2022

Unsere Kolumnistin Ulli Bauer erzählt aus dem ganz alltäglichen Wahnsinn einer Garnelenverrückten, die sich im Online-Universum bewegt.

 

Libellenlarven – oder: Sie werden uns ALLE töten!

Ja, natürlich: Eine Libellenlarve in einem Garnelenaquarium ist nicht wirklich lustig. Die kleinen Räuber können erstaunlichen Appetit entwickeln und erbeuten durchaus auch Garnelen, von denen man rein größenmäßig nichtgedacht hätte, dass sie ihnen noch zum Opfer fallen. Was nicht ins Maul passt, wird passend zurechtgebissen…und selbst Kleinlibellenlarven (oben) können mit ihrer Fangmaske tatsächlich kleine Jungfische oder sogar Nanofische erbeuten (wobei sie kleinere Kost bevorzugen, die ist weniger anstrengend zu überwältgend. Libellenlarven sind im Grunde ihres Herzens halt doch immer noch Energiesparer). Aber schon Guppygröße ist selbst für ziemlich ausgewachsene Großlibellenlarven (rechts) eine Herausforderung. Die Behauptung, dass Libellenlarven ALLE Fische und ALLE Garnelen im Aquarium auffuttern, ist also schon deutlich undifferenziert und ein klein wenig aus der Luft gegriffen.

Was macht Libellenlarven neben ihrer Eigenschaft als hocheffektive Jäger so lästig? Libellen legen ihre Eier in kleinen Gelegen ab. Wenn man eine Libellenlarve sieht, ist die Chance groß, dass da noch einige mehr im Aquarium sind. Hat man die bereits geschlüpfte Larve dagegen in einer Blattachsel sitzend mitgekauft, ist dem natürlich nicht so. Außerdem sind Libellenlarven in der Natur ein begehrtes Fischfutter und tarnen sich entsprechend gut, sie sind also sehr schwer zu finden.

Nun hat man einen der kleinen Räuber also im Aquarium gefunden was tun? Sofort melden sich in den sozialen Netzwerken die „Experten“: Libellen sind geschützte Tiere, also ab damit in die Natur! Das könnte allerdings nicht falscher sein! Zuerst einmal sollte gar nichts aus dem Aquarium in die Natur gelangen – zu groß ist die Gefahr, dass Keime und Parasitenverschleppt werden, die bei uns nicht heimisch sind, Stichwort: Krebspest (die ist nur ein Beispiel, es gibt ja noch deutlich mehr Krankheitserreger). Das gilt auch für eigentlich heimische Arten, hier gibt es sehr eindeutige Aussagen von Naturschutzbehörden.

Quelle Grafik: Ordem Odonata / CC BY-SA 4.0

Außerdem sind laut diversen Untersuchungen sehr viele Libellenlarven nicht von hier, sie werden nämlich zusammen mit tropischen Wasserpflanzen importiert. Was also tun?

Man könnte die Libellenlarven natürlich einfach töten (oder an größere Fische verfüttern), aber nicht alle bringen das übers Herz. Aufziehen und dann in die Natur entlassen verbietet sich leider von selbst, wir wollen ja keine nicht heimischen Arten einschleppen!

Es gibt aber tatsächlich ein Licht am Horizont: Julia Schmitt hat eine Auffangstation für Libellenlarven am Start. Mehr Infos zu Versand und Ablauf sowie eine Kontaktmöglichkeit findet ihr hier: www.facebook.com/LibellenAuffangstation

So dürfen die Libellen weiterleben – find ich richtig gut!

 

Ulli Bauer - Caridina

Eure Ulli Bauer

 

Ein Beitrag aus der 

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