Unsere Kolumnistin Ulli Bauer erzählt aus dem ganz alltäglichen Wahnsinn einer Garnelenverrückten, die sich im Online-Universum bewegt.
ABer PLAstIK!1!einself!11!!!
Wir sehen ein Aquarium, ein kleines, liebevoll dekoriert (mit Kunststoff-Figur), spärlich bepflanzt, Algen, leicht trübes Wasser und viele, viele Schnecken. Darin leben Garnelen, von denen immer mal eine stirbt. In den ersten Kommentaren ist man sich einig: Das Plastik ist schuld! Plastik hat im Aquarium mal so gar nichts verloren! Raus damit, eventuell noch ein Wasserwechsel – dann geht‘s den Garnelen direkt wieder gut.
Versteht mich nicht falsch – ich mag die Spongebobs, Buddhas und Schiffswracks auch nicht. Sie alle sind für mich nur ein weiteres Stück Plastik, das entsorgt werden muss. Auch optisch sind die Dinger in meinen Augen kein Genuss, ich mag meine Aquarien möglichst naturnah. Gut, man könnte diskutieren, ob man nicht grade dann die eine oder andere Flasche oder Tüte ins Layout integrieren müsste, weil ...
Dass allerdings Plastikdeko speziell für die Aquaristik in relevanten Dimensionen Stoffe ans Wasser abgibt, die für ein akutes Garnelensterben verantwortlich sein können, ist unwahrscheinlich. Die in der Aquaristik verwendeten Kunststoffe sind in der Regel recht widerstandsfähig. Es ist ja grade unser großes Problem, dass Plastik im Wasser so lange durchhält!

Foto: Oliver Mengedoht
Aber es geht weiter. In den Kommentaren findet sich nun die Unterscheidung in „gutes“ und „schlechtes“ Plastik: Filter, Schläuche, Heizungen, Thermometer, Saugnäpfe, ... aus Kunststoff dürfen selbstverständlich gerne im Aquarium bleiben! Acrylglasaquarien oder die beliebten Samla-Boxen von IKEA, in denen manche ihre Quarantäne durchführen oder sogar züchten, sind ebenso akzeptabel wie Regenfässer aus Kunststoff. Nur Plastikdeko ist böse. Ebenso wie bunter Kies.
Natürlich sollte Kunststoffdeko, die sich merklich verändert, bei der die Farbe abblättert, die sich gravierend verfärbt oder die merklich stinkt, aus dem Aquarium entfernt werden. Generell müssen wir uns ganz dringend Gedanken über unseren Plastikkonsum machen! Das hier ist auf gar keinen Fall ein Plädoyer für diese Art der Aquaristik – nur ein Aufruf zu mehr Augenmaß.
Das Aquarium im Beitrag hatte zwar ein optisches Problem in Form der Kunststoff-Gottheit, das war am Garnelensterben aber nicht schuld. So gut sehen Garnelen nicht, dass sie deswegen kollektiv Selbstmord begehen würden! Es wurde schlicht viel zu viel gefüttert. Die Wassertrübung (Bakterienblüte!), die Massenvermehrung bei den Schnecken, die Algen sowie die sichtbar vorhandenen Futtermengen in diesem Aquarium sprachen Bände. Zu viel Futter lässt die Keimdichte explodieren, und das führt zu kranken Garnelen. Kranke Garnelen tendieren dazu, zu sterben. Lösung: Keimdichte reduzieren und dauerhaft niedriger halten. Dazu müsste man deutlich weniger und angepasster füttern, deutlich mehr Wasserwechsel machen und Huminstoffe geben. Grün getrocknetes Walnusslaub oder Fenchelgrün können unterstützen, ebenso wie die Gabe von Beta-Glucanen.
Allein mit der Entfernung der Plastikstatuette wäre man in diesem Fall schlicht und ergreifend viel zu kurz gesprungen, und das Problem hätte weiterhin Bestand gehabt.

Eure Ulli Bauer
Ein Beitrag aus der:
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