Titelbild: Christel Kasselmann mit ihrem typischen Bücherkoffer. (Foto: Oliver Mengedoht)
Aquaristik und Botanik verloren im August eine Expertin, die es wie keine andere verstand, ihr Wissen zu teilen und für Pflanzen zu begeistern. Sie beschäftigte sich nicht nur aquaristisch mit Wasserpflanzen, sondern beschrieb auch wissenschaftlich neue Arten und widmete sich der Erforschung von Habitaten sowie der Ökologie von Wasser- und Sumpfpflanzen. Ihre Erkenntnisse flossen beständig in das heutige Allgemeinwissen unter Aquarianern ein. Sie engagierte sich in der Aquaristik auf vielen Ebenen: als Bezirksvorsitzende im VDA, als Redakteurin der Aqua Planta, als Leiterin des Arbeitskreises Wasserpflanzen und als unermüdliche Autorin sowie Referentin auf Veranstaltungen im In- und Ausland. Christel Kasselmann erstellte über Monate Pflanzenaquarien für die „Grüne Woche“ in Berlin oder die „Vivarium“ in Rosmalen (Holland). Auf einem Kongress in Österreich saß sie einmal bis früh in den Morgen mit uns zusammen und erzählte von einem Cryptocorynen-Biotop in Indien. Der Besuch lag schon Jahre zurück, die Faszination über das dort Gesehene hielt aber an und sie weckte Begeisterung bei Leuten, die Wasserpflanzen bisher kaum Beachtung geschenkt hatten. „Für jedes Aquarium gibt es die richtige Pflanze, Daniel“, sagte sie mir letztes Jahr, als ich ablehnend meinte, meine Aquarien seien nicht pflanzentauglich, und drückte mir mit diesen Worten einen Zip-Beutel mit Limnophila rugosa in die Hand.
Mit dem Buch „Aquarium Plants“ veröffentlichte sie 2020 die englische Übersetzung ihres im Jahr zuvor erschienenen Werks „Aquarienpflanzen“, das international schnell zum Nachschlagewerk wurde und über 750 Wasser- sowie Sumpfpflanzen behandelt. Durch die Vermarktung über die eigene Homepage kam sie zunehmend auch mit den sozialen Medien in Kontakt und nutzte sie umgehend, um auch dort über Pflanzen und ihre Kultur aufzuklären. In kurzen Videos zeigte sie, wie sie ihre Pflanzen pflegt oder zuschneidet, gab Tipps zum richtigen Substrat und zur Vermehrung. Als der Platz zu Hause nicht mehr ausreichte, halfen Freunde ihr bei der Errichtung eines kleinen Gewächshauses, in dem sie ihre Pflanzenkulturen ideal unterbringen konnte. Wenn sie sich die Vermehrung einer Art in den Kopf gesetzt hatte, dann ließ sie nichts unversucht, bis sie erfolgreich unzählige selbst gezogene Pflanzen und das notwendige Wissen für eine vielversprechende Pflege an andere Aquarianer weitergeben konnte.
